So viele Bücher, so wenig zu sagen

Nun, wenn man nicht wirklich viel weiß über ein Land, dann kann man sich einlesen. Das fängt dann meist bei Wikipedia an, wo man schöne statistische Daten abklopfen kann.

Da lernt man dann beispielsweise, dass die Schweiz ca. 8 Mio. Einwohner hat (viel weniger als Deutschland), dass die Bevölkerungsdichte aber recht hoch ist (also ein kleines, recht volles Land), dass man hier vier Sprachen (Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch) spricht und dass ansonsten vieles ähnlich ist wie in Deutschland. Zum Beispiel gibt es in der Schweiz auch so etwas wie Bundesländer, die Kantone.

So und schon sind wir dem Irrglauben aufgesessen, dass in der Schweiz doch im Grunde alles so ist wie in Deutschland. Ist es eben nicht. Es gibt tonnenweise Bücher, die sich mit den Unterschieden beider Länder auseinandersetzen, ernsthaft oder humorvoll, und mit den Folgen die die Unterschiede – oder oft auch der Irrglaube über die „Gleichheit“.  Eins vorweg: wir haben es hier beinahe mit einem Dilemma zu tun. Die beiden Länder und ihre Einwohner haben so viel gemeinsam, dass die Unterschiede um so mehr herausstechen.

Diese Bücher sind was tolles, weil man auf mehr oder weniger leicht verdauliche Weise viele Eigenheiten der Schweizer mitbekommt und auch mal die Eigenheiten der Deutschen aufgezeigt bekommt, über die wir uns selbst noch nie Gedanken gemacht haben. Auf der anderen Seite darf man diese Bücher auch nicht überbewerten – man muss aufpassen, dass man die Schweizer nicht als Aliens einstuft und als Deutscher kein schlechtes Gewissen bekommt aufgrund seiner bloßen Existenz.

Deswegen kommentiere ich nun nicht die ganze Liste an Büchern, durch die ich mich gegraben habe, dazu reicht es, mal auf Amazon zu schauen, was es so gibt (ich will ja auch niemandem den Spaß verderben)… Ich möchte hier die Quintessenz des Sinnvollen niederschreiben und das ist dann doch erstaunlich wenig (Gott sei Dank):

Der Deutsche in der Schweiz sollte vor allem eines versuchen: Höflich sein. Bitte und Danke sagen. Nicht forsch irgendwo hineinplatzen. In einem Gespräch niemandem ins Wort fallen. Nicht so laut sein. Das war’s. Eigentlich hat mich das gewundert, weil das doch die „guten Manieren“ sind – scheinbar haben wir Deutschen die ein bisschen verloren und man muss es nochmal dazusagen… Warum man sich an gerade Gesagtes halten sollte? Der Schweizer an sich ist wohlerzogen, ruhig, denkt erst und spricht dann. Und wenn man sich an gerade Gesagtes hält, kommt man sicher gut an.

Der Schweizer, der jetzt einen deutschen Nachbarn hat, sollte vor allem eines versuchen: Nachsichtig sein. Der Deutsche kann nichts dafür, dass er so „ruppig“ ist. Deutschland ist ein großes Land mit vielen Menschen. Das führt dazu, dass wir uns immer durchdrängen müssen, hervorstechen und manchmal auch direkter und lauter sein als die anderen, um von A nach B zu kommen. No offense, liebe Schweizer! Die meisten Deutschen gewöhnen sich übrigens schnell daran, dass man dieses Alpha-Tier Gehabe in der Schweiz gar nicht braucht. Es ist also so etwas wie eine Kinderkrankheit. Versprochen!

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Wie alles begann…

Wo die Schweiz ist, weiß in Deutschland jeder. Und fast jeder hat irgendwelche Assoziationen mit der Schweiz: Berge, Käse, Reichtum, Steuerparadies, Banken. Über den Schweizer an sich wissen wir eher wenig, wir denken uns nur, sie wären etwas langsam, ohne das abwertend zu meinen, gemütlich vielleicht auch. Das war’s.

Ich arbeite seit zwei Jahren bei einer Firma, die ihren Hauptsitz in der Schweiz hat und weil ich deshalb so gut wie jeden Monat ein paar Tage in Basel  verbringe, hatte ich schon so einige Begegnungen und Erfahrungen mit der Schweiz und ihren Töchtern und Söhnen.

Jetzt ist es so weit, dass ich für eine neue Stelle in dieser Firma in die Schweiz gehe und das mit Sack und Pack: es hat sich ergeben, dass mein Partner eine Stelle in Zürich gefunden hat und auf dieser Seite wollte ich nun beschreiben, was uns alles widerfahren ist und widerfährt bei dieser Umsiedlung, wie man es auch gerne nennt.

Die zeitlichen Eckdaten:

Arbeitsbeginn und Umzug meines Partners: Mitte August 2013

Arbeitsbeginn bei mir: Anfang November 2013

Neue Gemeinsame Wohnung: Geplant für Mitte Oktober.

„Mir doch egal“

Angela MerkelZur Diskussion um die Datenskandale der NSA muss ich doch nun noch einen Blogeintrag von Stafan Niggemeier posten, der nicht nur die Brisanz der Untätigkeit der Kanzlerin beschreibt und auch ihre fehlende Motivation, das Volk in Kenntnis zu setzen mit einer wirklichen Bewertung der Lage, sonder der in meinen Augen eine perfekte Generalcharakteristik der Bundeskanzlerin Angela Merkel zeichnet: Mir doch egal.

http://www.stefan-niggemeier.de/blog/was-angela-merkel-alles-nicht-weiss-und-deshalb-auch-nicht-bewerten-wird/

Sie gibt keine Antworten, sie hat keine Meinung (scheinbar noch nicht einmal eine Politische), sie ist nicht im Stande, sich (und wenn auch nur für den Moment) festzulegen, sie kann scheinbar gar nichts sagen, ohne, dass meterweise Berater erst einmal die Angelegenheiten „geprüft“ haben, etc. Das kann jeder, dazu braucht man keine Kanzlerin! Wie soll man Politikverdrossenheit und Desinteresse am öffentlichen Leben bekämpfen, wenn die Galionsfigur der deutschen Politik eine leere Hülle ist?

Wer liest und hört da mit?

Die Neugier ist bekanntlich der Katze Tod. Bleibt zu hoffen, dass dies auch für die Machenschaften von Geheimdiensten wie der NSA gilt, wenn es derzeit darum geht, dass die Tele- und Internetkommunikation von Millionen von Bürgern dies- und jenseits des Teiches schamlos ausspioniert werden.

Ich frage mich, wie überhaupt zur Debatte stehen kann, ob dieses massenhafte Abernten von Informationen überhaupt geduldet werden kann. Sicher, wenn Regierungen etwas davon haben, zum Beispiel eine bessere Stellung beim „Freund und Partner“ (immer wieder gehört von unserer Bundeskanzlerin Merkel oder unserem Innenminister Friedrich), kann man schon verstehen, wieso die Füße still gehalten werden, auch wenn die Sache vielleicht nicht ganz so sauber läuft, wie sie es sollte. Aber muss das eigentlich sein? Hat Europa, hat Deutschland es wirklich so bitter nötig, sich anzubiedern um jeden Preis? Oder ist das Ganze ein Eingeständnis an einen nicht funktionierenden eigenen Geheimdienst (wir brauchen Informationen über Gefahren in Deutschland aus den USA)?

Fakt ist wohl, dass die Bespitzelung ganz illegal nicht ist, denn dummerweise ist da dieses Passus aus dem „Zusatzabkommen zum NATO-Truppenstatut“ aus dem Jahre 1963, der offiziell erlaubt, dass die USA Daten von uns sammeln, um eine gegenseitige enge Verbindung zu gewährleisten. Problem ist nur, dass die politischen Zustände von damals längst passé sind und dass auch der kalte Krieg vorüber ist (sollte man meinen). Dieser Passus ist also vom Zweck her schon völlig überkommen. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass es damals noch kein Internet gab, eine mächtige Quelle von Informationen die vielleicht einfacher anzuzapfen ist als sämtliche Agenten und deren Machenschaften damals. Wie kommt nun also die NSA dazu, diesen uralt Passus frisch, fromm, fröhlich, frei wieder herzunehmen, um seinen Inhalt auf neue Gegebenheiten zu münzen? Nun, scheinbar ist das eingesehen worden und dieser Passus soll nun angeblich für ungültig erklärt werden – Zeit wird’s. Aber das bedeutet noch lange nicht das Ende der Spitzelei.

Dafür bräuchte es in Deutschland schon eine wirklich starke Regierung, die dem Prism-Programm den Garaus macht, indem sie in den USA mal ordentlich auf den Tisch haut. Aber das geschieht – wen wundert es – natürlich nicht. Frau Merkel eiert wie gewohnt unverbindlich mit Wortgespinsten wie „das muss gepüft werden“ etc. durch die Medien, so sie sich denn überhaupt äußert (aber klare Äußerungen an ihr Volk ließ sie ja schon immer vermissen) und ihr Innenminister Friedrich fliegt willfähig nach Washington um uns nach einem Spitzentreffen zu sagen, die Abhörerei sei „edel“. Wie bitte? Es werden tonnenweise Daten, die wir produzieren, gezogen und gespeichert, egal ob sie nun suspekten Inhalt haben oder nicht. Das geht von der Email an Tante Irma über Lästereien bei Facebook bis hin zu geschäftlichen Emails (also Betriebsgeheimnissen). Und, man möge mir hier verzeihen, ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Staat wie die USA nicht mal in die Versuchung kommt, sich mal anzusehen, was so die nächsten Wendungen in der deutschen Wirtschaft sein könnten. Es ist ja nicht so, als stecke man jenseits des Atlantik nicht auch in einer ökonomischen Krisensituation…

Die USA sollte sich weiterhin ernsthaft mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass Europa und die Europäer anders ticken als die USA und die US-Amerikaner. Wir haben grundsätzlich im Normalfall auch nichts zu verbergen, es stinkt uns aber trotzdem, wenn jemand in unserer Privatsphäre herumschnüffelt. Und das stinkt uns um so mehr, wenn es jemand ist, der nicht unsere eigene Regierung ist. Ich habe einige Kommentare von US-Amerikanern gelesen und im Fernsehen gesehen, die da vollmundig konstatieren, sie verstünden gar nicht, wieso die Leute in Europa sich so aufregen. Wer nichts zu verbergen habe, dem könne das doch egal sein. Dazu fällt mir rein gar nichts mehr ein. Gott sei Dank gibt es auch noch eine Gegenbewegung, auch in Form von – man höre und staune – US-Internetfirmen (namentlich Mozilla), die nun fordern „Stop watching us!“. Hut ab!

Ich bin sehr gespannt, wie sich die Situation und Thematik in den nächsten Wochen entwickeln wird. Fakt ist, dass in zwei Monaten in diesem Land Bundestagswahlen anstehen und ich hoffe, auch wenn der Deutsche sehr zum Jammern neigt und für sich für gewöhnlich eher seinem „Elend“ hingibt, als zu handeln, gerecht gewählt wird. Will heißen: sollte die schwarz-gelbe Bundesregierung nicht in der Lage sein, einen Kurs einzuschlagen, der die Interessen der BürgerInnen in diesem Land, was Privatsphäre und Datenschutz angeht, gerecht wird, dann sollte sie mit Pauken und Trompeten von der Regierungsbank verjagt werden. Dann wäre die Neugier der Katze Tod gewesen und alles gerecht gelaufen.

Der Tod der Familie?

Was gab es wieder Aufregung in den letzten Wochen und Monaten um das scheinbar ewig leidige Thema der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft / „Homo-Ehe“. Man musste und muss immer noch daran zweifeln, dass wir uns im 21. Jahrhundert befinden und dass Toleranz und womöglich sogar Akzeptanz in dieser Zeit und diesem Teil der Erde außer Frage stehen.

Besonders erschreckend war indes die monolithische Unbeweglichkeit der Bundesregierung, die sich sowohl in der rechtlichen Gleichstellung gleichgeschlechlicher Partnerschaften als auch der Anwendung des Ehegattensplitting unglaublich zögernd verhielt. In einer Gemeinschaft mit der deutlich reaktionär gebürsteten CSU sind derartig „revolutionäre“ Vorstöße nicht einfach durchzusetzen aber man muss sich doch fragen, wer den Ton angibt. Zumal die CSU die Urteile des Bundesverfassungsgerichts nur zähneknirschend hinnahm – man konnte in Interviews sehen, wie unrecht es den Parteimitgliedern war, dass sie nun vor vollendete Tatsachen gestellt wurden.

Das größte Staunen verursacht meines Erachtens die Borniertheit einiger Land- und Bundestagsabgeordneter, die vehement auf den Schutz der Familie verweisen und der Meinung sind, dass die beiden neusten Errungenschaften für gleichgeschlechtliche Paare die Familie als soziale Institution gefährden oder gar in den Schmutz ziehen. Hier vielleicht eine kleine Nebenbemerkung: Familie ist ein soziologischer Begriff zur Definition der (durch Normen geregelten) Formen des Zusammenlebens von Menschen. Unser Begriff von Familie mit Vater, Mutter, Kind(ern), Großeltern etc. ist dabei eine typische Ausgestaltung der westlichen Welt. Allein ein Blick in andere Regionen der Welt zeigt, dass es viele andere (legal anerkannte) Konzepte gibt. Sicher, diese müssen homosexuelle Verbindungen nicht zwingen einschließen. Fakt ist jedoch, dass der Begriff „Familie“ ein dynamischer ist, allein schon, weil er eben eine soziologische Größe ist, was zwingend voraussetzt, dass sich dieser Begriff mit der Zeit und den Gegebenheiten ändert. Familie ist und kann also nichts sein, dass ein Gesetz festschreibt und wenn dem so sein sollte, dann muss sich dieses Gesetz zwingend in der Zeit mit verändern, wie zuletzt geschehen. Mit soziologischen Begriffen verhält es sich wie mit der Sprache: sicher, wir haben Normen, diese können wir den Mitgliedern einer Gesellschaft aber genauso wenig aufzwingen, wie wir Sprachnormen einem Sprecher einer Sprache aufzwingen können. Norm ist, was gelebt wird, sich (zu einem Bedeutenden Teil, und sei es nur in Subkulturen) etabliert und somit in das Alltagsleben übergeht.

Somit sind gleichgeschlechtliche Partnerschaften schlicht eine Spielweise von Konzepten des Zusammenlebens. Wenn es nun ums rechtliche geht, bleibt zu sagen: unabhängig davon, wer gegenseitig Verantwortung übernimmt (und das bei weitem nicht nur emotional), sollte gerechterweise die gleichen gesetzlichen Rechte und Pflichten haben. Wozu also die Diskussion? Ach, richtig: weil die Familie zu schützen ist. Doch bedrohen rechtliche Gleichstellung und nun auch noch steuerliche Gleichstellung wirklich das Bild / Konzept der Familie wie bisher legal anerkannt? Nein, denn ein wirklicher Unterschied tritt doch erst beim Thema Kinder auf.

Was ist, steuerlich gesehen, denn der Unterschied im Zusammenleben eines Mannes und einer Frau und bspw. von zwei Männern? Es gibt keinen, so lange das heterosexuelle Paar keine Kinder hat. Wenn Kinder Teil der Familie werden, bin ich voll und ganz der Meinung, dass dieses Familienkonstrukt unter besonderem Schutz zu stehen hat und auch besondere Rechte genießen sollte. Allerdings bin ich auch hier wieder der Meinung, dass sich rechtlich kein Unterschied ergibt, ob diese Kinder nun vom heterosexuellen Paar gezeugt wurden, von einem homosexuellen Paar adoptiert oder die leiblichen Kinder eines Partners in einer homosexuellen Beziehung sind. Es geht wieder um die Gemeinsamkeiten zwischen hetero- und homosexuellen Partnerschaften in diesem Punkt, nicht um die Unterschiede. Fakt ist dann, dass zwei Menschen Verantwortung füreinander und dann auch noch für Kinder übernehmen. Geschlecht und sexuelle Gesinnung sind dabei nicht Ausschlag gebend. Wieso also auch hier wieder unterschiedliche Maßstäbe ansetzen?

Wer diese Diskussion im Sinne des Menschen führen will, muss sich freimachen von reaktionären Ansichten, politischem Kalkül und religiösen Überzeugungen. Was bleibt, ist eine rechtliche Logik. Der Rest ist Soziologie und die findet eindeutig nicht im Parlament statt.