Wandern in der Rhön

Wenn man das Stadtleben in Frankfurt einmal satt hat, gibt es genügend Möglichkeiten, über ein Wochenende rauszufahren. Im Herbst 2012 haben wir einen Abstecher in die Rhön gemacht – es wurde langsam schon kalt und feucht aber es war den Ausflug allemal wert!

Die Rhön liegt an der Grenze der Bundesländer Bayern, Hessen und Thüringen bietet mit der Wasserkuppe (950m) eine weniger bergige als hügelige Landschaft. Ein großer Teil der Rhön ist Biosphärenreservat, die Landschaft also naturbelassen mit Nadel- und Mischwäldern, ausgedehnten Weiden und Hochmooren.

Als „Basis“ haben wir uns das Rhönhäuschen (www.rhoenhaeuschen.de) ausgesucht, ein ehemaliger Grenzposten auf 765m.  Das Hotel passt mit den Zimmern im Landhausstil genau in die Gegend, die urgemütliche Atmosphäre lässt einen sofort einen Gang herunterschalten. Besonders zu empfehlen ist das hauseigene Restaurant: Nach einem Tag an der frischen, kalten Herbstluft gibt sind die sehr guten Wildgerichte hier ganz klar eine Wohltat und nach ein paar Gläsern Frankenwein freut man sich auf eine sehr dunkle, sehr ruhige und deshalb sehr erholsame Nacht.

Es gibt sehr viele Wanderwege verschiedener Länge – ganz gleich, ob man nur mal eine Stunde spazieren möchte oder sich in mehreren Tagesetappen durch die Rhön bewegen will. Wir haben uns an Tag eins des Wochenendes für eine eintägige Runde vom Rhönhäuschen über Kesselrain zum Roten Moor und wieder zurück zum Rhönhäuschen entschieden.

Rhön 1

Rhön2

Am zweiten Tag haben wir vor der Rückfahrt noch einen Abstecher zum Schloss Fasanerie nach Eichenzell gemacht. Das Barockschloss diente zunächst Fürstäbten und -bischöfen als Sitz, ging in der Säkularisierung in kurhessische Hände und ist heute im Besitz der Hessischen Hausstiftung. Es lohnt sich, die geführte Tour durch Schloss zu machen; das Haus hat einiges zu erzählen. Und wäre es nicht Herbst gewesen, wäre sicher der Schlosspark perfekt, um alle Viere lang zu machen und ein Bisschen Sonne zu tanken.

Schloss Fasanierie

Dienstreisen

Wenn mich manchmal Leute fragen, was ich beruflich mache, sage ich, ich reise. So ganz trifft es das nicht, weil ich natürlich nicht für’s Reisen bezahlt werde, ich bin weder Pilot noch arbeite ich bei einem Reiseveranstalter. Ich arbeite bei einem Fachverlag und bin im Vertrieb und Marketing für Europa und Lateinamerika zuständig – das bringt zwangsläufig zehntausende Kilometer Reisen im Jahr mit sich.

Ich bin es inzwischen gewohnt, auf Achse zu sein und wenn ich zu lange im Büro sitze, werde ich hibbelig und muss „auf die Straße“. Das ist jetzt schon seit über vier Jahren so. Und während dieser ganzen Zeit habe ich unzählige Male von Kollegen, Freunden und der Familie zu hören bekommen, wie beneidenswert dieser Umstand doch ist. Sicher, ich habe mir das ausgesucht und (um das vorweg zu nehmen), ich will mich auch nicht beschweren, ganz im Gegenteil.

Aber einige Dinge scheinen doch in den Köpfen der Menschen zu geistern, die schlicht nicht der Wahrheit entsprechen. Nehmen wir zum Beispiel die Annahme, man würde so viel von der Welt sehen. Oder man könnte die Wärme im Süden genießen und den schönen Winter im Norden.

Da lohnt es sich vielleicht, einmal die Dinge ins rechte Licht zu rücken… Man lebt auf Dienstreisen in der Regel aus dem Koffer, weil man ständig wo anders hin muss und es sich nicht lohnt, auszupacken. Das heißt, man muss sich zur Disziplin zwingen, weil sonst Chaos herrscht. Wenn man lange unterwegs ist, kann man ständig irgendwas in die Reinigung im Hotel geben und das geht ins Geld (nicht, dass der Arbeitgeber so etwas zahlen würde). Dann ist man prinzipiell fremd, wo auch immer man hinkommt – zumindest beim ersten Mal. Das heißt, die einfachsten Dinge sind schon anstrengend: wie komme ich von A nach B? Wo finde ich was zu essen? Wie war das mit dem Geld wechseln? Weil man den ganzen Tag arbeitet und das oft in anderen Zeitzonen, ist man meist auch recht müde, das heißt, mann rafft sich abends eben nicht auf, nochmals spazieren zu gehen oder in ein nettes Restaurant. Meist endet man mit Essen aus dem Room Service vor der Glotze und checkt noch seine Emails. Und wenn man doch mal Zeit hat und wach ist, fragt man sich manchmal, ob man einfach so ohne weiteres draußen rumlaufen kann – so zum Beispiel mancherorts in Südamerika. Und, ganz ehrlich, mit dem Taxi in ein Mega-Einkaufszentrum zu fahren, ist nur bedingt spannend. Nun, wenigstens ist die Art des Reisens angenehm. Bei einem 12 Stunden Flug darf man sich gern in der Business Class entspannen und genießen. Aber das ist weniger Privileg als Kalkül: Der Arbeitgeber will schließlich, dass man am Ziel ankommt und möglichst sofort einsatzbereit und nicht von der Reise erschlagen ist.

DienstreisenEs gibt hier also schon ein paar Haken an der wundervollen Reisewelt. Aber ich hatte gesagt, ich will mich nicht beschweren. Denn auch das Arbeiten in einem völlig anderen Umfeld, mit ganz anderen Menschen hat seinen Reiz. Und ein bisschen Sight-Seeing geht immer, wenn man ein bisschen früher ein Taxi nimmt und dem Fahrer sagt, er soll unterwegs an ein paar schönen Orten vorbeifahren. Und Dienstreisen formen. Sie machen einen zum Organisationsprofi, nehmen einem Hemmungen (wer fragt heute schon noch groß um Hilfe?) und sie erweitern einem unglaublich den Horizont. Genau deswegen bin ich auch schon wieder hibbelig.

Frankfurt

Frankfurt. Eigentlich ist das für mich keine Reise, sondern neue Heimat. Oder es ist seit über 6 Jahren die längste Reise meines Lebens…

Ich war das erste Mal für ein Praktikum in Frankfurt und hatte keine Ahnung, was ich zu erwarten hatte. Damals war das alles fürchterlich aufregend und hatte den Geschmack von Großstadt, wenn man vorher Augsburg gewohnt war. Eine Stadt mit Skyline, Nachtleben, Clubs, Kultur. Ich war begeistert.

Also musste ich auch nicht lange überlegen, als sich die Chance ergab, nach dem Studium hierher zu ziehen und fest zu arbeiten. Dummerweise stellte sich dann doch ein recht seltsames Gefühl ein. Frankfurt war auf einmal nicht mehr so groß, vom Nachtleben hatte man nicht viel als arbeitender Mensch. Die Stadt war teilweise auch einfach nur hässlich und voll von Gestalten, denen man nicht nachts über den Weg laufen möchte. Kurzum: nach einem Jahr war ich fast so weit, das Handtuch zu werfen und Frankfurt den Rücken zu kehren. Der Job hat mich dann doch zum Bleiben bewegt und ich musste sehen, wie ich mich arrangiere – ein Zwang, der sich gelohnt hat. Inzwischen hätte ich einige Möglichkeiten gehabt, den Standort zu wechseln, bin aber – auch in neuen Jobs – in Frankfurt geblieben.

Es ist tatsächlich so: die Stadt hat was, sie ist sehr bewegt. Aber damit muss man leben können. Frankfurt ist als Durchlauferhitzer bekannt und das zurecht. Menschen kommen hierher meist wegen der Arbeit. Die einen für länger, bis sie einen Karrieresprung machen, der sie an einen anderen Ort zieht, andere täglich als Pendler. Die Stadt schwillt am Tag auf die doppelte Größe an – nachts wirkt sie manchmal wie ein Dorf oder eine Geisterstadt. Das macht es z.B. schwer, Leute kennen zu lernen oder eben diese Bekanntschaften und Freundschaften zu halten. Das alles ist eher flüchtig.

Ein anderes Problem für einen Neuankömmling ist die Stadt selbst mit ihren vielen Stadtteilen, die oft wie eigene Kleinstädte anmuten oder wie in die Stadt hineingewachsene Dörfer. Sich da zu orientieren ist nicht so einfach; sich eine Meinung zu bilden und einen Platz für sich zu finden. Man muss diese Stadt erkunden, soviel ist sicher. Sie schenkt einem nichts, wie andere. Sie springt einen nicht an wie Berlin, wo alles auf der Straße oder auf der Hand zu liegen scheint.

Wenn man sich dann erst einmal eingenistet hat, sieht man schnell: es lohnt sich zu bleiben. Die Stadtteilstruktur ist in vielen Fällen heimelig – was gibt es Schöneres als einen „Kiez“ wo man zum Bäcker geht und mit Namen gekannt wird, obwohl man in einer großen Stadt ist? Man darf auch nicht vergessen, dass das hier nicht nur Frankfurt ist. Das ist Rhein-Main. Und wenn man Mainz, Wiesbaden, den Taunus dazu nimmt, hat man auf einmal eine ziemlich große Stadt mit ziemlich vielen Möglichkeiten.

Und wenn man doch mal den Drang verspürt, von hier weg zu wollen, könnte man es besser nicht treffen. Mit dem Bahnhof und dem Flughafen kommt man in jede Ecke dieser Welt und das ohne allzu große Anstrengung – ganz im Gegensatz zu anderen Städten hier in Deutschland.

Man muss also schon eine Lanze brechen für diesen Durchlauferhitzer, diese aufblasbare Stadt….