Der Tod der Familie?

Was gab es wieder Aufregung in den letzten Wochen und Monaten um das scheinbar ewig leidige Thema der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft / „Homo-Ehe“. Man musste und muss immer noch daran zweifeln, dass wir uns im 21. Jahrhundert befinden und dass Toleranz und womöglich sogar Akzeptanz in dieser Zeit und diesem Teil der Erde außer Frage stehen.

Besonders erschreckend war indes die monolithische Unbeweglichkeit der Bundesregierung, die sich sowohl in der rechtlichen Gleichstellung gleichgeschlechlicher Partnerschaften als auch der Anwendung des Ehegattensplitting unglaublich zögernd verhielt. In einer Gemeinschaft mit der deutlich reaktionär gebürsteten CSU sind derartig „revolutionäre“ Vorstöße nicht einfach durchzusetzen aber man muss sich doch fragen, wer den Ton angibt. Zumal die CSU die Urteile des Bundesverfassungsgerichts nur zähneknirschend hinnahm – man konnte in Interviews sehen, wie unrecht es den Parteimitgliedern war, dass sie nun vor vollendete Tatsachen gestellt wurden.

Das größte Staunen verursacht meines Erachtens die Borniertheit einiger Land- und Bundestagsabgeordneter, die vehement auf den Schutz der Familie verweisen und der Meinung sind, dass die beiden neusten Errungenschaften für gleichgeschlechtliche Paare die Familie als soziale Institution gefährden oder gar in den Schmutz ziehen. Hier vielleicht eine kleine Nebenbemerkung: Familie ist ein soziologischer Begriff zur Definition der (durch Normen geregelten) Formen des Zusammenlebens von Menschen. Unser Begriff von Familie mit Vater, Mutter, Kind(ern), Großeltern etc. ist dabei eine typische Ausgestaltung der westlichen Welt. Allein ein Blick in andere Regionen der Welt zeigt, dass es viele andere (legal anerkannte) Konzepte gibt. Sicher, diese müssen homosexuelle Verbindungen nicht zwingen einschließen. Fakt ist jedoch, dass der Begriff „Familie“ ein dynamischer ist, allein schon, weil er eben eine soziologische Größe ist, was zwingend voraussetzt, dass sich dieser Begriff mit der Zeit und den Gegebenheiten ändert. Familie ist und kann also nichts sein, dass ein Gesetz festschreibt und wenn dem so sein sollte, dann muss sich dieses Gesetz zwingend in der Zeit mit verändern, wie zuletzt geschehen. Mit soziologischen Begriffen verhält es sich wie mit der Sprache: sicher, wir haben Normen, diese können wir den Mitgliedern einer Gesellschaft aber genauso wenig aufzwingen, wie wir Sprachnormen einem Sprecher einer Sprache aufzwingen können. Norm ist, was gelebt wird, sich (zu einem Bedeutenden Teil, und sei es nur in Subkulturen) etabliert und somit in das Alltagsleben übergeht.

Somit sind gleichgeschlechtliche Partnerschaften schlicht eine Spielweise von Konzepten des Zusammenlebens. Wenn es nun ums rechtliche geht, bleibt zu sagen: unabhängig davon, wer gegenseitig Verantwortung übernimmt (und das bei weitem nicht nur emotional), sollte gerechterweise die gleichen gesetzlichen Rechte und Pflichten haben. Wozu also die Diskussion? Ach, richtig: weil die Familie zu schützen ist. Doch bedrohen rechtliche Gleichstellung und nun auch noch steuerliche Gleichstellung wirklich das Bild / Konzept der Familie wie bisher legal anerkannt? Nein, denn ein wirklicher Unterschied tritt doch erst beim Thema Kinder auf.

Was ist, steuerlich gesehen, denn der Unterschied im Zusammenleben eines Mannes und einer Frau und bspw. von zwei Männern? Es gibt keinen, so lange das heterosexuelle Paar keine Kinder hat. Wenn Kinder Teil der Familie werden, bin ich voll und ganz der Meinung, dass dieses Familienkonstrukt unter besonderem Schutz zu stehen hat und auch besondere Rechte genießen sollte. Allerdings bin ich auch hier wieder der Meinung, dass sich rechtlich kein Unterschied ergibt, ob diese Kinder nun vom heterosexuellen Paar gezeugt wurden, von einem homosexuellen Paar adoptiert oder die leiblichen Kinder eines Partners in einer homosexuellen Beziehung sind. Es geht wieder um die Gemeinsamkeiten zwischen hetero- und homosexuellen Partnerschaften in diesem Punkt, nicht um die Unterschiede. Fakt ist dann, dass zwei Menschen Verantwortung füreinander und dann auch noch für Kinder übernehmen. Geschlecht und sexuelle Gesinnung sind dabei nicht Ausschlag gebend. Wieso also auch hier wieder unterschiedliche Maßstäbe ansetzen?

Wer diese Diskussion im Sinne des Menschen führen will, muss sich freimachen von reaktionären Ansichten, politischem Kalkül und religiösen Überzeugungen. Was bleibt, ist eine rechtliche Logik. Der Rest ist Soziologie und die findet eindeutig nicht im Parlament statt.

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