Steinbrücks Zirkus

Man mag von Peer Steinbrück halten was man will, eines muss man ihm lassen: er macht den Mund auf. Etwas, dass unsere Kanzlerin nicht gerade charakterisiert. Was wir bis dato aus dem Kanzleramt gewohnt sind, sind politische Gemeinplätze, Plattitüden und nur nicht zu viel Information oder Kritik. Angela Merkel ist mit ihren Kommentaren beliebig. Was die Kommunikation angeht, muss man doch ganz ehrlich in Frage stellen, ob es bei ihr nicht egal ist, ob sie nun Kanzlerin ist oder einen x-beliebigen Konzern leiten würde. Die immer passenden, immer gleich emotions- und innovationslosen Kommentare sind phrasales copy & paste erster Güte.

Sicher, es steht einmal mehr die Frage im Raum, wie viel persönliche Meinungsäußerung einem Politiker zusteht. Ich meine: soviel es beliebt – Politiker sind keine ethisch reingewaschenen Androiden, sondern Menschen. Wenn sie eine Meinung haben, sollen sie sie äußern. Vor allem vor den Wahlen und nicht erst, wenn der Wähler die Katze im Sack gekauft hat.

Man darf im Falle Steinbrück auch nicht vergessen, dass man nicht Steinbrück wählt, sollte man sein Kreuz bei der SPD setzen, sondern die Partei SPD. Und wäre Steinbrück für die Partei und ihre Inhalte untragbar, wäre er wohl schnell weg vom Fenster.

Einmal ganz anders gedacht: schreit nicht der brave Bürger immer nach einer klaren Meinung und Stellungnahme? Wo ist dann das Problem bei Steinbrück? Ist er vielleicht doch zu unbequem für den gemäßigten Bürger? Oder beansprucht der Bürger gar heimlich die Hoheit auf den Klartext, weil er sich ja sonst nicht mehr über die Unverständlichkeit und Plattheit von Aussagen von Politikern beschweren kann?

Ja, und wo bleibt die political correctness? Nun, erstens ist die political correctness sowieso ein künstlich erschaffenes Pseudo-Wertesystem, um das man sich in diesem Land auch erst seit der globalen Weichspülerei schert und zweitens hat Hannelore Kraft ganz recht, wenn sie sagt, „Clown“ sei kein schlimmes Wort. Für Beppe Grillo und Silvio Berlusconi ist derweil die Bezeichnung „Clowns“ wirklich noch hamrlos. Ersterer ist der Wutbürger erster Klasse, der alle alten Mauern einreißen will aber keine Idee hat, wie er neue baut, letzterer ist der Inbegriff senilen Größenwahns, bei dem man sich doch wirklich wundern muss, dass er überhaupt noch Wähler hat. Soviel zum Thema „Beleidigung der Italiener“ an sich – wer kann wirklich davon ausgehen, dass Berlusconi irgendetwas verbessert? Leute, die die letzten Jahre im Koma gelegen haben, vielleicht.

Insofern soll Steinmeier ruhig den Begriff Clown verwenden. Ich bin sicher, er hätte auch nichts dagegen, wenn man ihn das SPD-Rumpelstilzchen schimpft, sollte er dereinst mit seiner Sache scheitern.

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