Schwäbische Hausfrauen

SpätzleDer Innbegriff der schwäbischen Hausfrau ist eine tüchtige Person (allein das schon scheint eine schwäbische Tugend zu sein). Sie ist eine Küchengöttin, schabt Spätzle vom Brett in Lichtgeschwindigkeit (die Meisterklasse), tischt Braten, Maultaschen und Flädlessupp‘ auf und sorgt so für die Erhaltung der Tatkraft der Männer im Ländle. Sie ist also eine treue Fürsorgerin, die wie eine Löwin ihr Revier verteidigt und nichts, aber auch gar nichts, auf ihre Familie kommen lässt.

Sie ist aber auch eine sehr kommunikative Zeitgenossin und lässt sich gern auch beim Tratsch mit den Hausfrauen-Zeitgenössinen zu einem Likörchen hinreißen. Ein pflichtbewusster Genussmensch par excellence also, der die schwäbische Kultur aufrecht erhält.

Sie kennzeichnet einen wesentlichen Charakterzug des Schwaben an sich, indem sie über alles und immer Bescheid weiß und, wenn es ihr zum eigenen Vorteil gereicht, dieses Wissen auch mit den Zeitgenossen teilt. Sie ist eine Königin der Intrige und eine stille Revolutionärin. Die schwäbische Hausfrauenbewegung analysiert Probleme vor Ort messerscharf und hat eine starke Meinung. Leider bleibt es oft beim sich Beschweren und Intrigieren, was der Gesellschaft dann häufig nicht nutzt. So kann es kommen, dass eine in die Jahre gekommene schwäbische Hausfrau auch einmal verbittert zurückbleibt ob der Schmach und der Missstände um sie herum. Ihre Kommentare nach innen und außen werden dann weniger mütterlich und man sollte ihr nicht einmal an guten Tagen den Weg kreuzen. Wegen dieser Wesensentwicklung aber auch der tüchtigen Vorzüge kann der Schwabe nicht mit ihr aber auch nicht ohne sie. Die Auswirkungen des Dilemmas auf den Schwaben  lassen sich dann verbildlicht in den örtlichen Gastwirtschaften bestaunen, wo mit viel Most oder Bier und zum Ende ein paar Obstbränden die Welt wieder gerade gerückt wird.

Die schwäbische Hausfrau lebt in ländlichem Gebiet, wo sie bis heute, auch in jüngeren Generationen, noch anzutreffen ist, zum Beispiel beim typisch liebevollen Ausgestalten von Veranstaltungen, deren Ästhetik und Sinn sich dem Außenstehenden um keinen Preis eröffnen werden. Sie hegt, allen Widrigkeiten zum Trotz, eine schier endlose Harmonie, die, wenn nötig, mit Gewalt über jede Veranstaltung gebracht wird. So ist das Landleben ein Schönes, auch wenn es unter der Oberfläche brodelt aber das wird sich dem vorbeiziehenden Besucher nicht erschließen und somit ist die schwäbische Hausfrau eine hervorragende Marketing-Expertin in eigener Sache.

In der Stadt werden Sie dieses Exemplar nicht antreffen – kulturelle Vermischung und Verwässerung haben die wenigen verbleibenden ihrer Art an den Rand, ins Verborgene gedrängt. Dort spielt sich nun ab, was sie nicht vertreten kann: offener Protest, ehrliche Meinungen, Konflikte allerorts. Und keine Möglichkeit, die eigene Kulturästhetik gegen den nationalen, ja globalen Geschmack durchzusetzen. Mit der Landflucht ist die schwäbische Hausfrau also ein vom Aussterben bedrohtes Wesen, dass es zu schützen gilt, wollen wir nicht auf das gute Essen und scharfzüngige Kritik verzichten.

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