Freiheit mit aller Gewalt?

Es ist vielen Menschen in Deutschland ein Rätsel, wie es sein kann, dass in den USA quasi ein jeder Privatmensch eine Waffe besitzen darf. Jedes Mal, wenn wieder ein Jugendlicher aus unerfindlichen Gründen eine Schule stürmt und ein Gemetzel anrichtet, kommt von neuem die Diskussion über Waffenverbote auf. Der Besitz von Waffen müsse verboten werden, es sei ein Skandal, dass man in den USA so leicht an Waffen komme – dem Problem der Waffengewalt ließe sich so einfach ein Ende machen. Scheinbar. Aber ganz so einfach ist die Sache meiner Meinung nach nicht.

Smith & Wesson RevolverIn Deutschland können Kreti und Pleti nicht so einfach in einen Laden gehen, um sich eine Wumme zu kaufen und das ist auch gut so. Ohnehin sehen die meisten von uns keinen Nutzen im Besitz einer Waffe zu privaten Zwecken (von Sportschützen einmal abgesehen, die hier auch nicht zu Kreti und Pleti zählen). Wir haben keinen Bezug zu Waffen, wir wissen nur, dass sie Schlimmes anrichten können. Trotzdem ereifern wir uns, den US-Amerikanern mit erhobenem Zeigefinger ein Verbot des privaten Waffenbesitzes zu empfehlen. Dabei ist womöglich nicht der Besitz von Waffen das Problem selbst.

Jeder Mensch (auch die US-Amerikaner) weiß, dass Waffen den Tod herbeibringen können. Hier haben wir eine gleiche Ausgangslage. Danach ist aber fast alles grundverschieden. Seit Jahrhunderten existiert in den USA das Gesetz, das es den Bürgern erlaubt, Waffen zu besitzen. Gut, könnte man sagen, das ist veraltet, führt nur zu Problemen, man sollte es womöglich einfach abschaffen. Einfach ist hier jedoch nichts zu machen, denn über diesem Gesetz steht das Recht des US-Amerikaners auf Freiheit und dieses ist ihm das wichtigste Recht. Es führt dazu, dass sich der US-Bürger nicht gerne hineinreden lässt, weder von außen noch aus den eigenen Reihen. Man hat ein Recht darauf, mit seinem Leben anzufangen, was auch immer man möchte und vor allem, seine Rechte auszuleben. Den US-Bürgern die Waffen zu verbieten ist also eine Beschneidung ihrer Freiheit, ihres wichtigsten und grundsätzlichsten Rechtes. Ich kann mir deshalb kaum vorstellen, dass es in den USA in nächster Zeit ein Gesetz geben wird, dass den Besitz von Waffen verbietet. Die Diskussion um dieses Verbot ist reine Polemik.

Vielmehr sollte darüber nachgedacht werden, wie die Regeln aussehen, die erfüllt werden müssen, um eine Waffe zu bekommen. Hier fallen dann Stichworte wie geistige Gesundheit und dergleichen. Dummerweise ist es so, dass die meisten Amokläufer vorher recht normal erschienen – also auch kein sehr zielführender Ansatz. Das führt immer weiter dazu, dass dies eine Diskussion ohne Ende ist und in ein pathetisches Hauen und Stechen um „Recht“ oder „Unrecht“ verfällt. Soviel zum Thema „einfach“ verbieten.

Wenn wir einmal wieder mahnend den Zeigefinger heben, sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass wir vielleicht einiges mit den US-Bürgern gemein haben, dass wir aber in ein paar entscheidenden Punkten grundverschieden ticken und dass wir für uns selbst vielleicht die Weisheit mit Löffeln gefressen haben aber nicht für andere. Und wir sollten uns vielleicht einmal fragen, wie es sein kann, dass in Deutschland der Waffenbesitz verboten ist, dass wir aber in ihrer Art genauso verheerende Waffendelikte zu verzeichnen haben. Ist ein Verbot dann wirklich die Lösung?

Ich denke, die US-Bürger wären viel eher bereit, sich von ihren Waffen zu trennen, wenn sie keinen vermeintlichen Grund mehr hätten, welche zu besitzen – scheinbar fühlen sie sich latent unsicher. Dafür müsste man zum Beispiel gleiche Chancen schaffen, Diskriminierungen beenden etc. so dass niemand mehr einen Grund hat, etwas zu tun, das andere mit Waffengewalt abwehren müssen. Soziale Gerechtigkeit also. Und wenn wir dieses Diskussions-Fass aufmachen, wird klar, warum die Diskussion so überhaupt nicht einfach ist. Und vielleicht wird uns auch klar, dass es bei uns immer mehr Leute gibt, die denken, eine Waffe wäre für den Schutz ihrer selbst ganz nützlich.

Es geht also womöglich nicht um die Waffe per se. Es geht um oben und unten, um Arm und Reich, um dekadent und frustriert, um „normal“ und „irre“. Und da soll es eine Besserung bringen, dieses „Werkzeug“ zu verbieten?

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