Frankfurt

Frankfurt. Eigentlich ist das für mich keine Reise, sondern neue Heimat. Oder es ist seit über 6 Jahren die längste Reise meines Lebens…

Ich war das erste Mal für ein Praktikum in Frankfurt und hatte keine Ahnung, was ich zu erwarten hatte. Damals war das alles fürchterlich aufregend und hatte den Geschmack von Großstadt, wenn man vorher Augsburg gewohnt war. Eine Stadt mit Skyline, Nachtleben, Clubs, Kultur. Ich war begeistert.

Also musste ich auch nicht lange überlegen, als sich die Chance ergab, nach dem Studium hierher zu ziehen und fest zu arbeiten. Dummerweise stellte sich dann doch ein recht seltsames Gefühl ein. Frankfurt war auf einmal nicht mehr so groß, vom Nachtleben hatte man nicht viel als arbeitender Mensch. Die Stadt war teilweise auch einfach nur hässlich und voll von Gestalten, denen man nicht nachts über den Weg laufen möchte. Kurzum: nach einem Jahr war ich fast so weit, das Handtuch zu werfen und Frankfurt den Rücken zu kehren. Der Job hat mich dann doch zum Bleiben bewegt und ich musste sehen, wie ich mich arrangiere – ein Zwang, der sich gelohnt hat. Inzwischen hätte ich einige Möglichkeiten gehabt, den Standort zu wechseln, bin aber – auch in neuen Jobs – in Frankfurt geblieben.

Es ist tatsächlich so: die Stadt hat was, sie ist sehr bewegt. Aber damit muss man leben können. Frankfurt ist als Durchlauferhitzer bekannt und das zurecht. Menschen kommen hierher meist wegen der Arbeit. Die einen für länger, bis sie einen Karrieresprung machen, der sie an einen anderen Ort zieht, andere täglich als Pendler. Die Stadt schwillt am Tag auf die doppelte Größe an – nachts wirkt sie manchmal wie ein Dorf oder eine Geisterstadt. Das macht es z.B. schwer, Leute kennen zu lernen oder eben diese Bekanntschaften und Freundschaften zu halten. Das alles ist eher flüchtig.

Ein anderes Problem für einen Neuankömmling ist die Stadt selbst mit ihren vielen Stadtteilen, die oft wie eigene Kleinstädte anmuten oder wie in die Stadt hineingewachsene Dörfer. Sich da zu orientieren ist nicht so einfach; sich eine Meinung zu bilden und einen Platz für sich zu finden. Man muss diese Stadt erkunden, soviel ist sicher. Sie schenkt einem nichts, wie andere. Sie springt einen nicht an wie Berlin, wo alles auf der Straße oder auf der Hand zu liegen scheint.

Wenn man sich dann erst einmal eingenistet hat, sieht man schnell: es lohnt sich zu bleiben. Die Stadtteilstruktur ist in vielen Fällen heimelig – was gibt es Schöneres als einen „Kiez“ wo man zum Bäcker geht und mit Namen gekannt wird, obwohl man in einer großen Stadt ist? Man darf auch nicht vergessen, dass das hier nicht nur Frankfurt ist. Das ist Rhein-Main. Und wenn man Mainz, Wiesbaden, den Taunus dazu nimmt, hat man auf einmal eine ziemlich große Stadt mit ziemlich vielen Möglichkeiten.

Und wenn man doch mal den Drang verspürt, von hier weg zu wollen, könnte man es besser nicht treffen. Mit dem Bahnhof und dem Flughafen kommt man in jede Ecke dieser Welt und das ohne allzu große Anstrengung – ganz im Gegensatz zu anderen Städten hier in Deutschland.

Man muss also schon eine Lanze brechen für diesen Durchlauferhitzer, diese aufblasbare Stadt….