Ein Dämpfer oder: allseitiges bashing

Seit fast fünf Monaten leben wir jetzt in Zürich, haben uns gut eingelebt und finden die Stadt – aber  auch den Rest des Landes – einfach nur grossartig. Und dann kam’s, letzten Sonntag, die Abstimmung zur „Masseneinwanderungsinitiative“ der SVP: ein zwar hauchdünnes aber dennoch gültiges Ja vom Souverän, dem Schweizervolk.

Zuerst konnte ich es gar nicht glauben und habe Ja und Nein durcheinandergebracht. Ich dachte, das sei nicht möglich. Ist es aber. Die SVP hat es mit ihren Kampagnen geschafft, die Mehrheit der Stimmen für sich zu gewinnen und nun werden eben in der Schweiz Kontingente eingeführt werden, die den Zustrom von Ausländern in das kleine Land regeln. Sehr viel mehr stand übrigens auch nicht im Text der Initiative. Es gibt keine Details und es liegt nun an der Regierung, diese Details auszuarbeiten – über die nächsten drei Jahre, wohlgemerkt.

Neutral betrachtet muss ich sagen, spricht überhaupt nichts gegen diese Initiative oder vielmehr den Wunsch des Schweizervolks, die Einwanderung zu begrenzen. Sicher, Themen wie der „Dichtestress“ mögen subjektives Empfinden sein aber auch subjektives Empfinden zählt in so einer Sache. Den Schweizern zu sagen, sie sollen sich nicht so anstellen, wir in Deutschland „litten“ unter einer noch viel grösseren Dichte und reagieren nicht derart, hilft keinen Zentimeter weiter. Denn: die Schweiz ist nicht Deutschland und auch kein anderes Land der Erde.

Was mich an der ganzen Sache so stört, ist die Berichterstattung und auch viele Kommentare…

  • Europa will der Schweiz jetzt das Fürchten lehren. Wozu das? Vorausgesetzt, die Schweizer Bürger sind mündige Bürger (und das ist nicht infrage zu stellen), wussten sie sehr wohl, dass ein Ja zur Initiative und damit eine Verletzung der Personenfreizügigkeit nicht nur Händel, sondern sicher auch schmerzhafte Einschnitte bescheren würde. Die Schweiz nun (bevor übrigens irgendein Gegenvorschlag auf dem Tisch liegt), das Fürchten zu lehren ist völlig sinnlos. Und selbst, wenn dieses Ja zur Initiative negative Auswirkungen nach sich zieht: es gab die Schweiz auch schon vor den Bilateralen und wird sie auch noch danach geben. Die Schweizer sind ziemlich gute Innovatoren.
  • Die Polemik „Hätte in anderen Staaten eine solche Abstimmung stattgefunden, wäre das Ergebnis sicher nicht anders ausgefallen„. Ja: Hätte, hätte, Fahrradkette. Es gab aber solche Abstimmungen nicht und es wird sie auch nicht geben. Fast (kein) anderes Land in Europa würde sich zur direktem Demokratie eignen, so wie es sie in der Schweiz gibt. Wir anderen haben eine andere Geschichte und deswegen andere Formen der Demokratie. Also muss man über das „hätte“ nicht lange reden.
  • Die rechten Lager in Europa. Natürlich finden diese Parteien die Abstimmung in der Schweiz als gefundenes Fressen. Dummerweise haben sie nicht verstanden, worum es bei der Abstimmung geht. Es geht nicht darum, dass Ausländer als minderwertige Menschen betrachtet werden, es geht einfach darum, dass die Schweiz der Ansicht ist, dass es eine bestimmte Grenze gibt, was die Anzahl derer angeht.
  • Die SVP und ihre Kommunikation selbst. Diesen Herrschaften widerum unterstelle ich dann wirklich rechte Ab- und Ansichten. Die haben es fertiggebracht, mit sicherheit auch wirklich fremdenfeindliche Schweizer zu mobilisieren in ihren polemischen Ansprachen, in der Ausländer aller couleur mit Kriminalität, Enge und Benachteiligung in Verbindung gebracht wurden. Dummerweise hat es eben keine andere Gruppe oder Partei geschafft, sich vor die SVP zu schieben und das Thema Masseneinwanderung von einer anderen Seite her zu thematisieren. Eine wirklich gute Sache momentan ist, dass die Schweiz über den Zuwanderungsstrom reden und sich etwas einfallen lassen muss, wenn sie nicht will, dass das Volk irgendwann „umkippt“ und richtig zornig wird.
  • Kommentare und Tweeds: Die Nachricht geht an beide Lager: Ausländer und Schweizer. Kann man mal bitte aufhören, dem jeweils anderen an den Kopf zu werfen, wie beschänkt er ist? Das führt nigends hin. Die Schweizer haben abgestimmt, wie sie abgestimmt haben und basta. Darin haben wir uns als Ausländer nicht einzumischen, de facto können wir es gar nicht. Liebe Schweizer, die Ihr mit Nein gestimmt habt und in Kommentaren schreibt, Ihr würdet Euch für Euer Land schämen: das ist nun wirklich etwas zu viel. Wir wissen, dass fast die Hälfte von Euch mit Nein gestimmt haben und das ist auch in Ordnung – Selbstgeisselung bringt Euch und niemand anderem etwas. Und den ganzen Deutschen „Kollegen“, die sich das Maul zerreissen: Haltet doch einfach besser die Klappe, vor allem, wenn Ihr noch nie länger in der Schweiz wart als für eine Wandertour und vom Alltag in der Schweiz nicht den blassesten Schimmer habt. Die allgemeine Lage wird’s Euch danken und auch wir, die wir in der Schweiz leben und für die diese saudummen Kommentare das Leben hier kein Stück einfacher machen – der Mensch ist nämlich auf Stereotype geeicht.

Den einzigen „Vorwurf“, den ich der Schweiz mache, insbesondere ihren Medien und der SVP, ist folgender: Hat sich mal irgendwer Gedanken darüber gemacht, wie es den Ausländern, die schon da sind (egal ob ewig oder erst seit kurzem), inmitten dieses Informations- und Propagandachaos gerade geht? Sicher, wir wissen, dass uns eigentlich nur knapp über 50% am liebsten wieder nach Hause schicken würden. Wir müssen auch zugeben, dass wir nicht von einem Tag auf den anderen gebrandmarkt und wie die Sau durch’s Dorf getrieben werden. Aber wer nimmt uns – oder thematisiert zumindest – diese diffuse Unsicherheit (die jetzt auf einmal wir selbst haben): was bedeutet das für mich, habe ich irgendwas zu befürchten, haben mir Menschen, die freundlich zu mir waren, die letzten Monate, Jahre, Jahrzehnte ins Gesicht gelogen und mich eigentlich abgelehnt?

Wir sind mehr als nur Nummern in irgendwelchen Registern, wir sind auch mehr als blosse Lückenfüller im Arbeitsmarkt und wir sind weit mehr als die Ausländer zu denen uns der Ausländerausweis stempelt: wir sind Menschen. Denkt mal an uns und beschäftigt Euch auch mit Sorgen, die einige (vielleicht sogar viele) von uns jetzt haben. Ihr habt uns reingelassen und auch dafür tragt Ihr Verantwortung.

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Zwischenbilanz

Nach drei Monaten in der Schweiz ist es dann auch der Alltag eingekehrt. Nicht, dass alles so wäre, wie zu Hause in Deutschland, aber der Mensch ist ja Gewohnheitstier.

So hat man längst keinen Schockmoment an der Supermarktkasse mehr, wenn es mal wieder „so teuer“ ist und auch nicht, wenn man essen geht oder sich egal was kauft. So wundert es einen längst nicht mehr, dass man manchmal Dinge auf zwei Weisen erklären muss, weil es der Deutsche dann eben doch zu unverständlich formuliert oder mal wieder irgendwelche Worte gebraucht hat, die dem Schweizer nur zu schwer ins Ohr gehen wollen. Und, so hat man sich mehr oder weniger daran gewöhnt, ein Ausländer zu sein, mit allen Vor- und Nachteilen.

Im Süden also nicht viel Neues.

Ein Dach über dem Kopf II

Manchmal sind die Dinge ganz einfach. Zwei Wohnungen besichtigt, zweimal beworben, zwei Zusagen! Und eine davon für die heimliche Traumwohnung.

Warum oder wieso das bei uns so reibungslos geklappt hat, kann man nur vermuten – war es die Jahreszeit, kurz vor dem großen „Zügeln“? War es, weil wir keine Kinder haben? War die Wohnung in einem Preissegment, dass sonst nur schwer zu vermitteln ist? Vielleicht ein bisschen von allem. Das Einzige, was sich sicher sagen lässt ist, dass der Vermieter meinte, wir hätten uns ehrlich interessiert und die Wohnung zu schätzen gewusst. Es geht am Ende also vielleicht doch auf’s Persönliche hinaus.

So groß die Freude ist, der Wahnsinn geht Weiter. Umzugsunternehmen, Termin finden etc. Es ist ein Unding, sein Hab und Gut in Kubikmetern auszudrücken…

Ein Dach über dem Kopf

Es gibt eine ganze Reihe an Internetplattformen zur Immobiliensuche in der Schweiz. Hier eine kleine Auflistung der größten:

www.immoscout24.ch

www.immostreet.ch

www.homegate.ch

www.comparis.ch

Auch hier, wie zuvor schon geschrieben, kann ich comparis.ch nur empfehlen. Hier bekommt man eine schöne Auflistung von Wohnungen, die aus anderen, auch den o.g. Portalen gezogen wird – d.h. man muss sie nicht alle mühsam einzeln durchsuchen. Außerdem kann man bequem einen Alert einrichten, so dass man die interessanten Inserate bequem per Email weitergeleitet bekommt.

Es ist bekannt, dass Wohnen in der Schweiz teurer ist als in Deutschland. Ein Stück weit muss das relativiert werden, weil die Gehälter in der Schweiz höher ausfallen und die Steuern niedriger sind, d.h. es bleibt auch mehr Netto vom Brutto. Trotzdem sind die Mieten (= in der Schweiz „Mietzins“) im Vergleich hoch. In Zürich darf man vor Warmmieten von 3.000-4.000 CHF für eine 80-100qm Wohnung mit 3 Räumen nicht zurückschrecken.

Vor allem in den Städten sind die Mieten hoch, in den Randgebieten und außerhalb werden sie dann gleich wesentlich niedriger.  Für den Anfang hilft eine Faustregel, mit seinem Netto pro Monat klar zu kommen: die Miete sollte nicht höher sein als ein Drittel des monatlichen Netto-Verdienstes. So bleibt genug für Versicherungen und andere Lebenshaltungskosten.

Wer in deutschen Großstädten wie München oder Frankfurt schon auf Wohnungssuche war, wird außerdem (nicht nur wegen der Preise) weniger schockiert sein: Wohnungen sind rar, vor allem, wenn sie gut gelegen sind und auch noch schön. Das heißt, der Andrang ist entsprechend groß und bisweilen muss man sich beeilen. Das bringt auch mit sich, dass die Vermieter einiges über ihre möglichen künftigen Mieter wissen wollen, dass man als Deutscher vielleicht befremdlich findet. Eine Selbstauskunft sind wir gewohnt, allerdings eher nicht, dass wir ein Führungszeugnis oder eine Schufa-Auskunft (= in der Schweiz „Betreibungsauskunft“) beilegen oder unseren Vorgesetzten und möglicherweise andere Personen als Referenz angeben.

Der Rest ist wie bekannt: Mietvertrag unterschreiben und die Sache ist geritzt. Und dann darf man sich darüber freuen, dass es in der Schweiz in Mietwohnungen z.B. vorgeschrieben ist, dass eine Einbauküche vorhanden ist. Oft gibt es gemeinsame Waschküchen, so dass man sich auch keine Waschmaschine anschaffen muss (Achtung, häufig strenger Waschplan). In den neueren, hochwertigen Wohnungen sind Waschmaschine und Trockner (= in der Schweiz „Tumbler“) auch in der Wohnung vorhanden.

Zum Schluss kann ich noch die Seite des Mieterverbandes empfehlen. Hier gibt es viele Merkblätter zum Mietrecht, z.B. die Kaution, Nebenkosten, Renovierung etc. betreffen und das alles schön nach Kanton einsehbar.

Bürokratie – Lasst mich bitte rein!

Die Schweiz ist unser Nachbarland, in der Schweiz spricht man Deutsch oder Deutsch ist zumindest Amtssprache in den Landesteilen, in denen Französisch, Italienisch oder Rätoromanisch gesprochen wird und die Schweiz liegt geographisch in Europa. Aber: die Schweiz ist kein EU-Mitglied und auch kein Mitglied des EWR (Europäischer Wirtschaftsraum). Und deswegen ist das Umsiedeln in die Schweiz doch mit mehr bürokratischem Aufwand verbunden, als, sagen wir, eine Umsiedlung nach Österreich.

Es gibt im Internet einige Foren und Blogs, die sich damit auseinandersetzen, für meinen Geschmack waren das aber mehr bits und bytes als die komplette Geschichte von Anfang an. Ich will es hier also besser machen, will aber darauf hinweisen, dass ich hier für Deutsche Staatsbürger spreche, weil ich das am eigenen Leib erlebt habe und zu anderen Nationalitäten nichts sagen kann.

Zunächst der Verweis auf eine generell sehr hilfreiche Seite: www.comparis.ch Hier finden sich Tipps zum Auswandern in die Schweiz ebenso wie (wirklich gute) Vergleichsportale für Versicherungen und Immobilien. Was Versicherungen (auch die Krankenversicherung) und Wohnen angeht, fährt man eigentlich mit comparis.ch am besten und die Website ist gut strukturiert und einfach zu verstehen.

Ämter – was muss ich tun?

Erst einmal ein allgemeiner Link zum Bundesamt für Migration – hier gibt es tonnenweise FAQs und alles ist hieb- und stichfest erklärt. Die Besonderheiten (in einfachen Worten) unten.

Wer in der Schweiz leben und arbeiten möchte, hat am besten schon einen Arbeitsvertrag dort in der Tasche. Was den Arbeitsvertrag angeht, muss man übrigens sagen, dass es normal ist, dass dort eine Klausel sinngemäß sagt „Der Arbeitsvertrag tritt nur in Kraft, wenn eine Aufenthaltsbewilligung vorliegt“ wird später wichtig. Um einen Job zu bekommen, braucht man noch keine Arbeitsbewilligung. Wer meint, er muss ohne Arbeitsvertrag in die Schweiz, hat ein paar Monate Zeit, einen Job zu finden.

Als nächstes muss man sich eine Wohnung suchen. Der Mietvertrag muss aber schon zwei, drei Wochen vor Stellenantritt beginnen. Grund dafür ist, dass die Beantragung / Bearbeitung des Antrags auf eine Aufenthaltsbewilligung zwei, drei Wochen dauert und diese Aufenthaltsbewilligung muss zum Beginn der Arbeit vorliegen (s. Klausel oben). Um einen Mietvertrag abzuschließen, braucht man ebenfalls keine Aufenthaltsbewilligung. Zur Wohnungssuche folgt ein Extra-Post.

Mit Arbeitsvertrag, Mietvertrag und Passbildern sowie 85,- Franken (Bearbeitungsgebühr) geht man dann zum zuständigen Kreisamt (entspricht unserem Bürgerbüro / Einwohnermeldeamt). Dort meldet man seinen Wohnsitz an und beantragt eine Aufenthaltsbewilligung. Man bekommt sofort die Meldebescheinigung und eine Bestätigung darüber, dass man die Aufenthaltsbewilligung beantragt hat. In der Regel reichen dem Arbeitgeber diese Bestätigungen die o.g. Klausel betreffend. Es ist ja alles im Gange. Ebenfalls reichen diese Bestätigungen zur Eröffnung eines Bankkontos, das man dann ja auch schon bald braucht.

Aufenthaltsbewilligung – was?

Als Deutscher kann man verschiedene Aufenthaltsbewilligungen bekommen. Die L-Bewilligung berechtigt zum Leben und Arbeiten für ein Jahr, Die B-Bewilligung ist die meist gewünschte und diejenige, die am besten anerkannt wird. Sie gilt 5 Jahre. Nach zweimal Bewilligung B, also nach 10 Jahren, kann man die C-Bewilligung (unbegrenzt) beantragen und sich über Einbürgerung Gedanken machen, so man das möchte.

Achtung, tricky! Die Schweizer Politik bekommt manchmal „Panikanfälle“ und man meint, es seien zu viele Ausländer im Land, die dort arbeiten und hohe Löhne einstreichen – vor allem Deutsche. Deshalb wurde die Zahl der B-Bewilligungen kontingentiert. Pro Quartal gibt es ca. 13.400 B-Bewilligungen. First come, first serve. Dann ist Sense bis zum nächsten Quartal. Aber keine Panik: als Deutscher bekommt man immerhin eine L-Bewilligung, wenn das Kontingent für die B-Bewilligung aufgebraucht ist. In dem Fall geht man dann einfach gleich zum Beginn des nächsten Quartals wieder auf’s Amt und beantragt eine B-Bewilligung aus dem frischen Kontingent.

Türöffner Ausländerausweis

Die B-Bewilligung (auch die anderen) kommen im Gewand des Ausländerausweises. Wer den hat, kann nach Lust und Laune Verträge (z.B. Mobiltelefon, Kaufverträge, etc.) abschließen und vor jedem Amt in der Schweiz bestehen.